Website in 10 Minuten? Schön. Und wer macht sie in drei Jahren auf? WordPress oder KI-Website? Der ehrliche Vergleich 2026

Aug. 21, 2026News

WordPress oder KI-Website

WordPress oder KI-Website — diese Frage höre ich seit Monaten fast jede Woche. Der ehrliche Vergleich 2026.

Die Antwort ist unbequemer, als beide Lager behaupten. Und sie hat wenig damit zu tun, wie schnell eine Seite steht.

Neulich saß ich mit einem Unternehmer zusammen. Gute Firma, läuft. Er wollte etwas an seiner Website ändern. Es war nur eine Kleinigkeit, ein neuer Text auf einer Unterseite.

Ging leider nicht.

Nicht, weil es zu kompliziert war, sondern weil der Mensch, der die Seite gebaut hatte, weg war. Und mit ihm die Zugangsdaten. Es gab ein Passwort, keine Übergabe und keine Dokumentation. Die Website lief weiter, brav und unverändert, wie ein Auto ohne Schlüssel auf dem Hof.

Das ist keine Geschichte über einen schlechten Dienstleister. Das ist die Geschichte, die ich in Märkisch-Oderland, Barnim und Oder-Spree ungefähr einmal im Quartal höre.

Und sie wird gerade häufiger. Weil es nie einfacher war, eine Website zu bauen und nie einfacher, sich dabei ein Problem einzukaufen, das man erst zwei Jahre später bemerkt.

WordPress oder KI-Website: die Frage, die gerade alle stellen

„Brauche ich noch WordPress? Ich kann meine Website doch inzwischen in zehn Minuten von einer KI bauen lassen.“

Stimmt. Kannst du. Ich habe es ausprobiert, es funktioniert erstaunlich gut, und es sieht besser aus als das, was viele Betriebe heute online haben.

Trotzdem ist es die falsche Frage.

Die richtige Frage lautet: Wer kann diese Website in drei Jahren noch anfassen — und was passiert, wenn dieser Jemand nicht mehr da ist? Wer pflegt meine Website?

Alles andere ist Geschmacksdiskussion.

Was in den Werbeclips nicht vorkommt

Im Februar 2026 hat sich ein Sicherheitsforscher eine App angeschaut, die auf einer der bekanntesten KI-Bauplattformen erstellt und dort sogar auf der Startseite als Vorzeigeprojekt präsentiert wurde. Er fand 16 Schwachstellen, sechs davon kritisch. Über 18.000 Datensätze lagen offen — Namen, E-Mail-Adressen, teils von Schülern und Studierenden. (Quelle: The Register, 27.02.2026)

Der Kernfehler war banal: Die KI hatte eine Zugangsprüfung falsch herum programmiert. Eingeloggte Nutzer wurden blockiert, nicht eingeloggte durften alles. Das sieht man dem Ergebnis nicht an. Die Seite lädt, sie sieht gut aus, die Buttons funktionieren.

Ein anderer Forscher hat 1.645 öffentlich einsehbare Projekte derselben Plattform gescannt. 170 hatten kritische Sicherheitslücken. Keine Bastelprojekte, sondern laufende Anwendungen mit echten Nutzern.

Und jetzt kommt der Satz, um den es eigentlich geht. Die Antwort des Plattformbetreibers lautete sinngemäß: Es gibt einen kostenlosen Sicherheits-Check vor der Veröffentlichung, und ob man die Empfehlungen umsetzt, liegt beim Nutzer.

Die Verantwortung wandert also zum Kunden. Zu einem Kunden, der sie gar nicht tragen kann.

Ein Dachdeckermeister kann eine Datenbank-Berechtigung nicht prüfen. Eine Physiotherapeutin auch nicht. Das ist kein Vorwurf, denn das ist einfach nicht ihr Job. Nur: Wenn die Daten weg sind, ist es trotzdem ihr Problem. Ihr Name steht im Impressum.

Der Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat

Jetzt wird es kurz technisch. Aber nur kurz, und es lohnt sich, weil es ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, was alle vermuten.

Es gibt zwei Arten, wie eine Website ihre Texte ausliefert:

Variante A: Der Server schickt die fertige Seite. Text ist Text. Wie eine Speisekarte, die dir gedruckt auf den Tisch gelegt wird.

Variante B: Der Server schickt ein leeres Gerüst plus eine Bauanleitung. Dein Browser baut die Seite dann selbst zusammen. Wie eine Speisekarte, die du erst aus einem Bausatz zusammenstecken musst.

Für dich als Besucher sieht beides identisch aus. Du merkst keinen Unterschied.

Google merkt auch keinen Unterschied, denn Google baut den Bausatz seit Jahren brav zusammen.

Kann ChatGPT meine Website lesen? ChatGPT, Claude und Perplexity tun das nicht.

Eine gemeinsame Untersuchung von Vercel und MERJ hat das an echtem Datenverkehr nachgemessen: Keiner der großen KI-Crawler führt diese Bauanleitung aus. Sie laden sie teilweise sogar herunter und ignorieren sie. Stand Mitte 2026 gilt das für die Crawler von OpenAI, Anthropic, Perplexity und Meta. Einzige Ausnahme ist Googles Gemini, weil es Googles vorhandene Technik mitbenutzt.

Was heißt das im Klartext?

Deine Seite kann bei Google auf Platz 1 stehen und für ChatGPT eine leere Seite sein.

Genau deshalb fällt es niemandem auf. Man schaut bei Google nach, alles grün, alles gut. Dass die Hälfte der neuen Suchwelt gar nichts sieht, steht in keinem Bericht.

Und ausgerechnet viele der modernen, schnell zusammengeklickten KI-Seiten arbeiten nach Variante B. Während ein solides, langweiliges WordPress nach Variante A arbeitet.

Die moderne Website ist also nicht selten die, die ChatGPT nicht lesen kann.

Der 30-Sekunden-Test, den du selbst machen kannst

Kein Werkzeug nötig, kein Fachwissen:

  1. Öffne deine Website.
  2. Rechtsklick auf eine freie Stelle → „Seitenquelltext anzeigen“ (nicht „untersuchen“).
  3. Es öffnet sich ein Fenster mit viel Buchstabensalat. Keine Sorge.
  4. Drücke Strg + F und suche einen kompletten Satz aus deinem Fließtext. Zum Beispiel deinen Über-uns-Text.

Findest du ihn? Gut. Dann sehen die KI-Systeme deine Inhalte.

Findest du ihn nicht? Dann sehen sie eine leere Seite. Und du solltest mit jemandem reden.

Und WordPress? Ist auch nicht heilig

Damit wir uns richtig verstehen: Ich verkaufe hier keine heile Welt. Ist WordPress noch zeitgemäß 2026?

WordPress hat ein handfestes Problem und es heißt Plugins. Das Sicherheitsunternehmen Patchstack hat für 2025 ausgewertet: 91 Prozent aller neu gefundenen Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld stecken nicht im System selbst, sondern in Zusatzmodulen. Und die Zahl der besonders leicht ausnutzbaren Lücken hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Übersetzt: Jedes Plugin, das du installierst und dann vergisst, ist eine unverschlossene Hintertür.

Ich habe das selbst gerade auf dem Tisch. Ein Update an meinem eigenen Design-Baustein hat mir das Menü und ein paar Gestaltungselemente zerschossen. Nichts Dramatisches, aber jemand muss es merken und jemand muss es dann reparieren. Das ist der Preis.

WordPress ist nicht sicherer als ein KI-Builder. WordPress ist reparierbar. Das ist ein Unterschied, aber ein entscheidender.

Der deutsche Sonderfall: Barrierefreiheit

Kurzer Pflichthinweis, der gerade viele kalt erwischt.

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Für Websites und Online-Shops gibt es keine Übergangsfrist. Der Bußgeldrahmen geht bis 100.000 Euro, und es laufen bereits dokumentierte Abmahnwellen die zweite seit Februar 2026, mit Forderungen um die 2.700 Euro.

Die Ausnahme für Kleinstunternehmen greift enger, als die meisten hoffen: unter 10 Beschäftigte und unter 2 Millionen Euro, das beides gleichzeitig. Und sie gilt nur für Dienstleistungen, nicht für Produkte.

Viele kleine Betriebe fallen tatsächlich nicht darunter. Aber „viele“ ist nicht „alle“, und das Bauchgefühl ist hier ein schlechter Ratgeber.

Das Problem mit den schnell generierten Seiten: Sie sind praktisch nie barrierefrei. Und oft kommst du an den Code gar nicht ran, um es nachzubessern.

(Das ist meine Einschätzung, keine Rechtsberatung. Für den verbindlichen Blick auf deinen Fall: Anwalt.)

Die Eigentumsfrage — oder: Gehört dir deine Website überhaupt?

Bei den großen Baukästen gilt eine Regel, die im Kleingedruckten steht und im Verkaufsgespräch nie:

Kann ich meine Website beim Anbieter wechseln Daten mitnehmen? Du kannst deine Texte und Bilder exportieren, aber Dein Design kannst du nicht mitnehmen. Ein vollständiger Umzug weg von der Plattform wird schlicht nicht unterstützt.

Deine Domain gehört dir und deine Inhalte gehören dir. Das System gehört aber dem Anbieter.

Wenn du also nach drei Jahren wechseln willst — weil es teurer wird, weil du wächst, weil du unzufrieden bist — dann baust du nicht um. Du baust neu und bezahlst zweimal.

Für alle, die irgendwann übergeben wollen, ist das übrigens keine Nebensache. Eine Website, die man nicht mitverkaufen kann, taucht im Unternehmenswert als Null auf. Genau wie das Auto ohne Schlüssel.

WordPress oder KI-Website: Was ich Betrieben tatsächlich empfehle

Es gibt kein „richtig“ und „falsch“. Es gibt nur „passt zum Zweck“ oder „passt nicht“.

Solides CMS wie WordPress Für Betriebe, die die Seite Jahre laufen lassen, regelmäßig Inhalte pflegen und irgendwann übergeben wollen. Bedingung: wenige Plugins, echte Backups, jemand kümmert sich. Ohne Pflege wird auch WordPress zur Ruine.

Baukasten wie Wix oder Squarespace Für Gründer im ersten Jahr, für Projekte mit absehbarem Ende, für alle ohne Content-Plan. Völlig in Ordnung, solange dir jemand vorher sagt, dass du später nicht rauskommst.

KI-Builder oder individuell programmiert Hervorragend für Kampagnenseiten, Prototypen, kurzlebige Aktionen. Nicht als Firmenwebsite, die drei Jahre tragen soll.

Die ehrlichste Antwort: die Mischung Solides Fundament, und KI als Beschleuniger für Entwürfe, Struktur und Texte. So arbeite ich selbst. Die KI ist ein hervorragender Praktikant, aber sie ist kein Meister.

Was am Ende zählt

Zehn Minuten für die Website. Drei Jahre für den Betrieb.

Das Verhältnis sollte dich stutzig machen. Nicht, weil die schnelle Variante schlecht wäre, sondern weil in der Werbung immer nur der erste Tag vorkommt und nie der dreihundertste.

Bevor du dich für irgendetwas entscheidest, beantworte drei Fragen:

  1. Wer pflegt das? Konkret. Mit Namen.
  2. Komme ich da wieder raus? Inhalte, Design, Domain — alles.
  3. Sehen mich die Suchsysteme? Google und die KI-Systeme. Mach den Quelltext-Test.

Wenn du auf alle drei eine klare Antwort hast, ist die Technik dahinter fast egal.

Wenn nicht, ist sie das Einzige, was zählt.

Häufige Fragen

Ist WordPress 2026 noch zeitgemäß? Ja, aber nicht automatisch. WordPress betreibt weiterhin rund vier von zehn Websites weltweit. Der entscheidende Punkt ist nicht das System, sondern die Pflege: Ohne Updates, wenige Plugins und regelmäßige Backups wird auch WordPress zur Sicherheitslücke. Der Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen ist, dass du es reparieren und mitnehmen kannst.

Kann ich meine Website wirklich mit KI in 10 Minuten erstellen? Technisch ja. Das Ergebnis sieht oft besser aus als das, was viele Betriebe heute online haben. Die Probleme zeigen sich später: bei Sicherheit, bei rechtlichen Pflichten, bei der Frage, wer die Seite pflegt, und bei der Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen. Für Kampagnenseiten und Prototypen ist es hervorragend, für eine Firmenwebsite auf Jahre eher nicht.

Warum sehen ChatGPT und Perplexity manche Websites nicht? Weil die meisten KI-Crawler kein JavaScript ausführen. Sie lesen nur den HTML-Code, den dein Server direkt ausliefert. Wenn deine Inhalte erst im Browser des Besuchers zusammengebaut werden, sehen diese Systeme eine leere Seite — auch wenn die Seite bei Google auf Platz 1 steht. Der Test dauert 30 Sekunden: Seitenquelltext öffnen und einen Satz aus deinem Fließtext suchen.

Was ist besser: Website-Baukasten oder WordPress? Das hängt vom Zeithorizont ab. Ein Baukasten ist der schnellste Start und für das erste Jahr oder ein Projekt mit absehbarem Ende völlig in Ordnung. Wer die Seite über Jahre betreibt, Inhalte pflegt oder den Betrieb irgendwann übergeben will, fährt mit einem eigenen CMS besser — vor allem, weil sich Baukasten-Websites nicht vollständig exportieren lassen.

Gehört mir meine Website bei Wix oder Squarespace? Deine Texte, Bilder und die Domain gehören dir. Das System selbst gehört dem Anbieter. Ein Export der Inhalte ist meist möglich, das Design und die Funktionen kommen nicht mit. Ein Wechsel bedeutet in der Praxis: neu bauen, nicht umziehen.

Muss meine Website barrierefrei sein? Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 ohne Übergangsfrist für Websites und Online-Shops. Es gibt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen — unter 10 Beschäftigte und unter 2 Millionen Euro Umsatz, beides gleichzeitig, und nur für Dienstleistungen. Viele kleine Betriebe fallen tatsächlich darunter, aber nicht alle. Das ist eine Einschätzung, keine Rechtsberatung.


Unsicher, wie deine Seite dasteht? Ich schaue mir das an ohne Fachchinesisch und ohne Panikmache. Manchmal lautet die Antwort auch: Passt, lass es so.

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Quellen